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Wednesday
Nov052008

„Obama vor klarem Sieg“

Vorarlberger NachrichtenUS-Wahl: Der Mellauer Politik-Experte glaubt nicht an einen „Bradley-Effekt“.
KLAUS HÄMMERLE
klaus.haemmerle@vn.vol.at,  72/501-634

VN: Ist die US-Präsidentenwahl bereits für Barack Obama gelaufen?

Bischof: Es deuten alle Umfragen auf einen klaren Sieg Obamas. Bis zu 100 Wahlmänner mehr soll er demnach auf sich vereinigen als John McCain.

VN: Ist ein Bradley-Effekt möglich, als in Kalifornien Anfang 80er-Jahre der schwarze Gouverneurs-Kandidat in Umfragen klar führte und doch verlor?

Bischof: Das ist 25 Jahre her, die Zeiten haben sich verändert. Obama spricht nicht nur Schwarze an, er hat in allen 50 Bundesstaaten wahlgekämpft und ist nachweislich vor allem
für die vielen Jung- undErstwähler außerordentlich attraktiv.

VN: Kann das Bekanntwerden des illegalen USAAufenthaltesvon Obamas
Tante noch etwas ändern?

Bischof: Nein. Das Immigrationsthema hat im ganzen Wahlkampf praktisch keine
Rolle gespielt. Abgesehen davon, dass sich McCain in einer Diskussion über die Legalisierung
von fünf Millionen Einwanderern unlängst noch sehr tolerant zeigte.

VN: Ist Sarah Palin der Hauptgrund für McCains drohende Niederlage?

Bischof: Sie hat ihm geschadet, keine Frage. Aber Mc Cain hatte von vornherein einen
schweren Stand. Und die Finanzkrise hat ihn von Obama noch zusätzlich entfernt.

VN: Wie beurteilen sie das Duell McCain – Obama insgesamt?

Bischof: Im Großen und Ganzen respektieren die beiden einander. Für die Untergriffe sorgte vor allem Sarah Palin. McCain ließ zeitweiligden zornigen alten Mann raus– wenn Dinge nicht so liefen, wie er das wollte.

VN: Während bei uns große Politikverdrossenheitherrscht, scheint in den USA die Politik zu faszinieren wie schon lange nicht.Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Bischof: Es gibt neue Gesichter, das Interesse der Medien ist enorm und natürlich spielt auch die Faszination Barack Obama eine große Rolle. Wir stehen vor einer Rekord-Wahlbeteiligung.

VN: Wie werden Sie den morgigen Wahltag verbringen? Bischof: Ich werde um sechs Uhr früh meine Frau zur Wahl begleiten. Sie geht deswegen so früh, damit sie nicht lange warten muss. Ab Nachmittag sitze ich vor dem Fernseher.